Die Hohenlockstedter Kartoffelbande pflanzt an
25 Jahre Gütezeichen-Kartoffeln im Kreis Steinburg
Die Hohenlockstedter Kartoffelbande, das sind 25 Mädchen und Jungen der zweiten Klasse der Grundschule Hohenlockstedt samt ihrer Lehrerin Yvonne Zengerling. Sie gründeten im Frühjahr die Bande eigens, um in Begleitung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein und des Gütezeichens ein Kartoffeljahr von der Anpflanzung über die Bestandspflege bis hin zur Ernte zu begleiten.
Bisher einmaliges Projekt mit dem Gütezeichen
„Wir möchten die junge Generation wieder für die Kartoffel begeistern,“ erläutert Gert Tiedemann, Kartoffelexperte der Landwirtschaftskammer dieses außergewöhnliche Projekt. Den Startschuss gab Tiedemann bei allerschönstem Kaiserwetter Mitte April diesen Jahres. Die Kartoffelbande pflanzte auf dem hofnahen Acker von Wolfgang Schierbecker interessante, teils vergessene Kartoffelsorten: Red Cardinal, die mittelspäte Weinrote zum Beispiel oder den Blauen Schweden, dunkelviolett und mittelfrüh, La Ratte eine mittelfrühe fingerförmige Kartoffel, oder Asparges, die mittelfrühe Spargelkartoffel, Hermanns Blaue, die langovale späte Violette und das Bamberger Hörnchen, die absolute späte Spitzenklasse.
Wolfgang Schierbecker hatte das Kartoffelfeld fachmännisch vorbereitet und schon Furchen gezogen. Ausgestattet mit Schirmmützen der Landwirtschaftskammer, Handschuhen und dem historischen Pflanzgut ging es dann schnell zur Sache. Den Kinder stand die Begeisterung ins Gesicht geschrieben, als sie mit der tatkräftigen Unterstützung der Kartoffelerzeugergemeinschaft Hohenlockstedt voller Eifer und hoch konzentriert buddelten, pflanzten und Kartoffelsorten bestimmen. Nichts wurde dem Zufall überlassen. So wurden nach dem Pflanzen der Erdäpfel alle Reihen feinsäuberlich mit Stellschildern gekennzeichnet, auf denen die Kinder neben dem Kartoffelbanden-Logo ihre Namen und die von ihnen gepflanzten Kartoffelsorten vermerkten.
Kontrolle muss sein – damit die Gesundheit stimmt
„Ist meine Kartoffelpflanze auch wirklich gesund?“, eine Frage, die viele der kleinen Kartoffelexperten eingehend beschäftigte. Nach der Pflanzung im April fand im Juni eine Kontrolle der Kartoffelgesundheit während der Wachstumsphase durch die Knollenbande statt. „Die Kinder fragen mich fast jeden Tag, wann wir endlich zu “unseren” Kartoffeln gehen. Einige waren sogar nach der Schule auf dem Acker und haben Fotos gemacht und im Unterricht berichtet, wie weit die Kartoffelpflanzen sind,“ freut sich Yvonne Zengerling über das gelungene Projekt. Welche Farbe hat die Blüte? Wie viele Knollen hat die Pflanze? Welches ist die Mutterknolle? Sind Nützlinge oder aber auch Schädlinge auf der Kartoffelpflanze zu entdecken? Fragen über Fragen, die die Schüler der zweiten Klasse unter Anleitung von Gert Tiedemann sowie Bernd Senne und Siegfried Thurau von der Kartoffelerzeugergemeinschaft erforschten und beantworteten. Mit Hilfe eines kleinen Handmikroskops untersuchten die Kinder eingehend Blätter und Blüten, um dem Kartoffelkäfer auf die Spur zu kommen, den Yvonne Zengerling mit den Schüler bei Zeiten im Rahmen des Heimat- und Sachkundeunterrichtes besprochen hatte. Abschließend dokumentierten die Kinder ordnungsgemäß ihre Untersuchungsergebnisse in den Kontrollbögen der Landwirtschaftskammer.
Ernte gut alles gut
Mit Spannung wurde der Erntetermin im September von Groß und Klein erwartet. Bei sonnigem Wetter ernteten die Kinder, ausgestattet mit einer klassischen Kartoffelhacke, ihre eigenhändig gepflanzten Kartoffeln. „ Die Kinder sollen wieder ein Gefühl dafür bekommen, wo und wie die Kartoffeln wachsen, darum legen wir in diesem Projekt wert darauf, dass die Schüler die Kartoffeln mit ihren eigenen Händen aus der Erde holen“, erklärt Gert Tiedemann. Und dieses Angebot nehmen die Kinder gerne an. Mit Feuereifer arbeiten sie sich von Pflanze zu Pflanze und von Reihe zu Reihe. Die Hosen und Schuhe dick mit dunkler Erde bedeckt, die Köpfe hochrot, füllen sie mit schier unendlicher Ausdauer ihre kleinen Kartoffelsäcke, dass selbst Lehrerin Yvonne Zengerling staunt. Einen Teil der geernteten Kartoffeln nehmen die Kinder mit nach Hause. Den anderen Teil wollen sie gemeinsam mit den Eltern auf dem Bauernmarkt anlässlich der Pellkartoffeltage feil bieten.
Parallel zur Ernte der alten Kartoffelsorten fand auf dem Acker von Wolfgang Schierbecker als warm up der Pellkartoffeltage die Pellkartoffel-Olympiade statt. Bei diesen fröhlichen Wettspielen messen sich Schülerinnen und Schüler aus fünf Grundschulen aus Schleswig-Holstein und Hamburg in verschiedenen Disziplinen – alle natürlich rund um die Kartoffel.
Ganz Hohenlockstedt im Kartoffelfieber
Ende September war es dann soweit. Die Hohenlockstedter feierten in diesem Jahr das 14. Mal ihre tollen Tage rund um die Pellkartoffel. Den Auftakt machte die Gemeinde mit ihrer Eröffnungsfeier in der Aula der Grundschule Hohenlockstedt. Buket Samiloglu wurde feierlich vom Martin Kayenburg, dem Schirmherr der Pellkartoffeltage, zur neuen Pellkartoffel-Königin gekrönt. In der Pause gab es dann für die Gäste an dem Gütezeichen –Stand leckere Pellkartoffeln mit frischem Kräuterquark.
Tags darauf fand das Laufspektakel für große und kleine Sportler statt: der Pellkartoffellauf des TSV Lola. „Läuft ausgezeichnet“ – unter diesem Motto gingen 25 Starter mit viel Spaß für das Gütezeichen „Geprüfte Qualität Schleswig-Holstein“ an den Start. Professionell ausgestattet mit Lauf-Shirts vom Gütezeichen bewältigten Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer und Mitglieder der Erzeugergemeinschaft und deren Familien gemeinsam die unterschiedlichen Strecken des Laufklassikers im Kreis Steinburg. Als Bonbon für die Teilnahme wurden unter den Sportlern zwei prallgefüllte Gütetüten im Wert von je 100€ verlost. Herzlichen Glückwunsch und guten Appetit den Gewinnern!
Zum krönenden Abschluss dieser Festtage wurde am Sonntag auf dem Marktplatz in Hohenlockstedt der bekannte Bauern- und Kunsthandwerkermarkt eröffnet. Auf dem oberen Teil des Geländes gab es zum ersten Mal eine Schlemmermeile, auf der regionale Erzeuger ihre Produkte präsentierten. Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein verkaufte zusammen mit der Erzeugergemeinschaft die Gütezeichen-Kartoffel und die Kartoffelbande bot ihre historischen Raritäten den interessierten Marktbesuchern an. Der meierhof Möllgaard war mit seinem breiten Sortiment der Käsestraße Schleswig-Holstein vertreten und die Fischzucht Knutzen verwöhnte die Besucher mit geräuchertem Fisch aus ihren Teichen auf leckerem Kartoffelbrot aus Gütezeichenkartoffeln.
Auf eine Aktion rund um ihre selbst gepflanzten Knollen können sich die Schüler noch freuen. Ende November kommt Maria von Randow aus dem Rieseby Krog und Mitglied der Feinheimischen nach Hohenlockstedt, um mit den Kindern leckere, einfache Kartoffelgerichte zuzubereiten.
„.Es hat sich mal wieder unter Beweis gestellt, dass gerade die jungen Verbraucher besonders an der Herkunft ihrer Nahrungsmittel interessiert sind. Die Kartoffel ist hierfür ein ideales Produkt, da sie auf unseren Äckern heranwächst und unverfälscht vom Verbraucher selbst zu diversen Gerichten und als besonderer Genuss mit einer wirklich interessanten Kombination von lebenswichtigen Inhaltsstoffen zubereitet werden kann,“ resümiert Gert Tiedemann zufrieden.


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